Ausstellung

Humboldt lebt!

Das Hamburger Centrum für Naturkunde (CeNak) schließt sich den Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr an. Unter dem Titel „Humboldt lebt!“ blicken das Zoologische Museum und der Botanische Garten der Universität Hamburg auf Humboldts Südamerika-Reise.

Von August 1790 bis April 1791 besuchte der spätere Forschungsreisende Alexander von Humboldt die private Handelsakademie in Hamburg. Sein Interesse galt bekanntlich vielen Wissensgebieten. Auf der Akademie verfeinerte er seine kaufmännischen Kenntnisse,  befasste sich mit Geldumläufen und der Weltwirtschaft. Erst danach zog er nach Freiberg, wo er – was den meisten bekannter ist – Bergbau studierte.

 

Sein Ausflug in die Hansestadt und die Welt der Wirtschaftswissenschaften zahlte sich trotzdem aus. So waren es  Hamburger Kaufleute, die sich am spanischen Hof für den Forschungsreisenden Humboldt und dessen Amerikareise einsetzten. Schließlich ging es auch um wirtschaftliche Interessen: Die Einnahmen aus den Minen in Übersee ließen zu wünschen übrig. Spaniens Krone sah in dem jungen Bergbauingenieur vielversprechende Möglichkeiten, dem Geldfluss etwas nachzuhelfen. So kam es, dass „Preußens Columbus“, wie er auch genannt wird, unter spanischem Schutz in La Coruña Richtung Amerika ablegte. Der Hamburger Hafen dagegen blieb eine unverzichtbare Poststelle für den Austausch mit Europa – der übrigens nicht immer reibungslos verlief: Am 12. Juni 1804 vermeldete der „Hamburger Correspondent“ fälschlicherweise den Tod des Forschers.

Aber: „Humboldt lebt!“ Das ist der Titel der Ausstellung, die von Humboldts fünfjährige Reise nach Amerika rekonstruiert. Sie zeigt den Reisepass für die spanischen Kolonien als Kopie: ein mehrseitiges Dokument – für eine Expedition über den ganzen Kontinent. Auf dem Fußboden erstreckt sich eine Karte mit der Reiseroute. Und zu jedem Exponat erfahren die Besucher Details über wissenschaftliche Hintergründe und Humboldts Leben.

Botanik in Bewegung

„Humboldt lebt!“ gliedert sich in Flora und Fauna. Den Bereich „Botanik in Bewegung“ hat die Universität Bern konzipiert, die Universität Hamburg entwickelte den Bereich „Tiere in den Tropen“. Die abwechslungsreiche Vegetation Südamerikas erkunden die Besucher auf dem „Humboldt-Pfad“ durch den Botanischen Garten der Universität Hamburg. Tagesbucheinträge auf Informationstafel machen den Forschungsreisenden lebendig. So steht an der Station „Fernweh“ zum Beispiel: „Wäre es mir erlaubt, eigene Erinnerungen anzurufen, mich selbst zu befragen, was einer unvertilgbaren Sehnsucht nach der Tropengegend den ersten Anstoß gab, so müßte ich nennen: [...] einen colossalen Drachenbaum in einem alten Thurme des botanischen Gartens bei Berlin“. Und zum Thema „Drogen“ hat der Naturforscher festgehalten: „Das Niopo ist so reizend, daß ganz wenig davon heftiges Niesen verursacht, wenn man nicht daran gewöhnt ist.“ Wobei das Niesen noch die harmloseste Wirkung der Anadenanthera peregrina ist: Die Pflanze wird zu Pulver verarbeitet, dessen Einnahme psychedelische Halluzinationen und Trance-Zustände auslöst.

Humboldts Naturgemälde der Anden kommt eine besondere Stellung zu: als eine der ersten wissenschaftlichen Infografiken. Humboldt weist darin akribisch die verschiedenen Vegetationszonen des Gebirgszugs aus.

Eine Attraktion der Ausstellung ist Humboldts Herbarium. Zusammen mit seinem französischen Begleiter Aimé Bonpland hat der Forscher in Südamerika tausende Pflanzen gesammelt. Eigentlich lagern die meisten Sammlungsstücke in Berlin und Paris. Nun sind Leihgaben auch in Hamburg zu sehen.

Tiere in den Tropen

Der Bereich „Tiere in den Tropen“ zeigt daneben Humboldts Arbeit als Zoologen. Die ausgestopften Präparate sind insbesondere für Kinder ein spannendes Erlebnis: Unterschiedliche Affenarten, der gewaltige Andenkondor, Lamas und Zitteraale finden sich neben den Zeichnungen, die Humboldt im Rahmen seiner Grundlagenforschung angefertigt hat. Als Forschungsarbeiten haben sie auch erstaunlich ästhetische Qualitäten und verraten etwas von Humboldts künstlerischem Talent. Viele seiner Zeichnungen haben Kupferstecher und Koloristen später zu regelrechten Kunstwerken ausgearbeitet.

Ein Hauch von Abenteuer weht durch das Zoologische Museum. Denn neben der exotischen Tier- und Pflanzenwelt sind auch die typische Kleidung sowie Ausrüstungsgegenstände des späten 18. Jahrhunderts ausgestellt. Hier wird deutlich: Die Messinstrumente waren zwar ausgefeilt, die Kleidung dagegen verlangte von ihren Trägern eher eine robuste Konstitution. So bestieg Humboldt den höchsten Gipfel der Anden in gewöhnlicher Straßenkleidung.


„Tiere in den Tropen“ wird von CeNak-Direktor Matthias Glaubrecht und dem Journalisten und Humboldt-Experten Peter Korneffel kuratiert. „Botanik in Bewegung“ wurde von der Universität Bern konzipiert.

Die Ausstellung „Humboldt lebt!“ ist noch bis zum 29. September 2019 im Zoologischen Museum Hamburg, im Botanischen Garten Klein Flottbek und im Loki Schmidt Haus zu sehen.

Ein umfangreiches Programm mit Lesungen, Vorträgen und Führungen findet begleitend zur Ausstellung statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

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