Ausstellung

Erkenntnis als Gewinn

Das Museum für Naturkunde in Berlin verfügt über rund 1100 Exponate, die mit Alexander von Humboldt in Verbindung stehen. Unter dem Ausstellungstitel „Ein langdauernder Werth“ erzählen einige von ihnen Erstaunliches über die Geschichte der Geologie.

Auch ein Alexander von Humboldt war vor Irrtümern nicht gefeit. Und er hätte das bestimmt als Erster zugegeben. Schließlich musste er im Laufe seines Forscherlebens einige Theorien über Bord werfen, die in den akademischen Zirkeln seiner Zeit für unumstößlich gehalten wurden und an die er selbst (zumindest in seiner wissenschaftlichen Jugend) geglaubt hatte.

Zum Beispiel bezüglich der Entstehung von Vulkanen. Von Abraham Gottlob Werner, seinem Lehrer an der Bergakademie Freiberg, hatte Humboldt noch den sogenannten Neptunismus vermittelt bekommen, demzufolge die meisten Gesteine auf der Erde Sedimente seien, Ablagerungen aus dem Ozean.

Theorien sind nie in Stein gemeißelt

Eine Auffassung, die Humboldt im „Kosmos“ dann revidierte. Ebenso wie jene Lehre, nach der Meteoriten in der Erdatmosphäre entstünden (woher der Begriff Meteorologie rührt). Die wurde bekanntlich abgelöst durch die Erkenntnis, dass es sich bei den Himmelskörpern um extraterrestrisches Material handelt.

Humboldt zog daraus den Schluss, dass wissenschaftliche Theorien nie in Stein gemeißelt sind. Und maß entsprechend allein dem Forschungsmaterial, all den Objekten, die er auf seinen Reisen sammelte, einen „langdauernden Werth“ zu. Im Mineraliensaal des Museums für Naturkunde Berlin ist unter ebendiesem Titel – „Ein langdauernder Werth“ – nun eine Humboldt-Ausstellung zu sehen, die einige seiner bemerkenswertesten Gesteins-Funde präsentiert. Wie die Kuratoren Ferdinand Damaschun und Ralf Thomas Schmitt erzählen, verfügt das Museum über rund „1100 Exponate, die wir mit Humboldt in Verbindung bringen können – sie einfach nebeneinander zu legen, wäre relativ langweilig.“

Damaschun und Schmitt haben 60 besondere Objekte in den Vitrinen der Sammlung mit blauen Texttafeln hervorgehoben. Mineralien, die aus Humboldts Studienjahren stammen, aus seiner Zeit als Bergbeamter, aus Südamerika und Russland – oder die ihm geschenkt wurden. Vieles davon gab der Forscher in das Königliche Mineralienkabinett zu Berlin – ein Vorläufer der heutigen Museumssammlungen. Humboldts Funde erregten dort einige Aufmerksamkeit. Zum Beispiel der Feueropal, den er von seiner Südamerikareise aus Zimapán in Mexiko mitgebracht hatte. Auch wenn bei der Untersuchung festgestellt wurde, dass dieser Stein „nur“ aus Kieselerde, Wasser und ein wenig Eisenoxyd besteht.

Diamanten für die Wissenschaft

Wert – der bestand für Humboldt eben nicht im Materiellen, sondern im Erkenntnisgewinn. Auch seine Russlandreise, bei der ja die Erschließung der Gold- und Platin-Vorkommen des Landes im Mittelpunkt stand, darf man sich nicht als Klondike-mäßige Jagd nach Reichtümern vorstellen. Es ging  vielmehr um eine geografische Systematisierung der Edelmetalle. Selbst die ersten russischen Diamanten, deren Fund Humboldt aufgrund seiner geologischen Kenntnisse wider alle Erwartung vorausgesagt hatte, „gelangten nie in die wirtschaftliche Verwertung“, so Schmitt.

Für die Forschungsgeschichte der Mineralogie, betonen die Kuratoren, erwies sich gerade diese Exedition bis zum Ural als kostbar, mehr noch als die Südamerikareise. Nicht zuletzt, weil Humboldt in Russland mit Gustav Rose einen der renommiertesten Mineralogen seiner Zeit an der Seite hatte, der maßgeblich auch die Untersuchung der gesammelten Objekte vornahm. Entsprechende Entdecker-Ehre gebührt Rose. Auf ihn geht in der Ausstellung zum Beispiel eine besondere Typprobe zurück – so nennt man Proben, an denen eine Mineralart zum ersten Mal überhaupt beschrieben worden ist. Dieses stammt aus dem Ural und heißt Cancrinit – „nach dem damaligen russischen Minister Cancrin, der Humboldts Reise finanziert hatte“, erklärt Damaschun.

Der Forscher war bekanntlich mehr an den großen Dimensionen interessiert als an kleinteiliger Laborarbeit. Davon zeugt im Museum für Naturkunde ein quecksilberhaltiges Mineral namens Cinnabarit, auch bekannt als Zinnober. Zu Humboldts Zeiten war Quecksilber ein begehrter Rohstoff für die amerikanische Silberproduktion, der zu 75 Prozent aus europäischen Importen stammte. Das Anliegen des auf Nachhaltigkeit bedachten Wissenschaftlers war es deshalb, die Eigenversorgung des Kontinents mit Quecksilber zu steigern. Er recherchierte dazu in Mexiko und Peru.

„Humboldt“, so die Kuratoren, „hat auch in der Geologie stets versucht, die globalen Zusammenhänge aufzuzeigen.“


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