Neujahrsempfang 2019

Alexander von Humboldt-Stiftung feiert ihren Namenspatron

Neugier, Risiko, Wagnis, Offenheit, Stellung beziehen. Am 17. Januar haben rund 400 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft den 250. Geburtstag Alexander von Humboldts gewürdigt – und damit auch die Werte eines überzeugten Kosmopoliten.

Der Knips-O-Mat ist umlagert. Ganze Gruppen von Wissenschaftlern lassen sich dort mit einer Alexander von Humboldt-Pappfigur ablichten. Requisiten liegen auch parat: ein Hut, eine Krone, eine Geburtstagstorte. Über dem Foto steht „Exzellenz verbindet“. Anspruch und Augenzwinkern liegen beim Neujahrsempfang der Alexander von Humboldt-Stiftung dicht beieinander. Hochkarätige Forscher treffen sich in einem Rahmen, der gehobene Unterhaltung mit einer guten Prise Humor würzt.

Festlicher Rahmen mit dem Berlin Brass Quintet

In der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom feierte die Stiftung den 250. Geburtstag ihres Namenspatrons. Das Berlin Brass Quintet spielte Werke, die nicht oft auf dem Konzertprogramm stehen. Festlich eröffnete die Fanfare aus dem Ballett „La Péri“ des Franzosen Paul Dukas den Abend. Die fünf Musiker – ehemalige Studenten der Musikhochschule „Hanns Eisler“ – spielten Musik aus Ländern, die mit dem Jubilar Humboldt in Verbindung stehen. Das dritte Quintett des Russen Victor Ewald ist ein Pionierstück des Blechbläserrepertoires. Ein Bossa Nova aus Südamerika und Irving Berlins Jazzstandard „Puttin‘ on the Ritz“ rundeten das Musikprogramm ab. Begeistert applaudierten die rund 400 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie Humboldt-Preisträger und Humboldt-Stipendiaten.

Humboldt als Projektionsfläche

In seiner Festrede würdigte Stiftungspräsident Hans-Christian Pape Humboldt als rastlosen Abenteurer, der Risiken einging, die ihn oft beinahe das Leben gekostet hätten. Der Neurophysiologe Pape, der seit einem Jahr im Amt ist, erinnerte an den Bergstollen, in dem Humboldt fast erstickt wäre, an die Schneelawine, die ihn in Südamerika beinahe in die Tiefe riss, und die hungrigen Krokodile, die seine Fahrten auf dem Orinoco begleiteten. Noch mit 60 Jahren ließ sich Humboldt mit einer Taucherglocke auf den Grund der Themse hinabsinken. Der Stiftungspräsident ließ es sich nicht nehmen zu erwähnen, wie symbolhaft diese Aktion angesichts des Brexit heute wäre.

Humboldt war ein Netzwerker und ein Pionier in vielen Bereichen, zum Beispiel im ökologischen Denken. Pape wies auf die je nach Land und Zeitpunkt ganz unterschiedlichen Humboldt-Bilder hin: „Im Westen sahen ihn viele wegen seiner Zeit in den USA als Transatlantiker und Symbol der Westbindung. In Ostdeutschland dagegen wurde er wegen seines Engagements für die Bergleute als Sozialist reklamiert.“ Zeichnungen von Humboldt als Indiana Jones und als Che Guevara auf der Videowand lösten fröhliches Gelächter aus.

 

Im zweiten Teil seiner Ansprache stellte sich Hans-Christian Pape vor, was Humboldt wohl heute tun würde. Vielleicht würde er sich per Twitter mit Donald Trump anlegen. Sicher wäre dem mitteilsamen Forscher die Wissenschaftskommunikation wichtig. Aber woher würde er heute die Mittel für seine abenteuerlichen Projekte bekommen? „Bei der Stiftung, die seinen Namen trägt, hätte er vielleicht Erfolg. Denn wir fördern exzellente Personen und keine Projekte. Ich wünsche mir jedenfalls, wir würden das Potenzial des jungen Humboldt erkennen, der sich als Postdoc bei uns bewirbt“, erklärt der Stiftungspräsident.

Jubiläumskampagne zum Mitmachen

Schließlich wies Pape mit einem Videoclip auf die Jubiläumskampagne „Humboldt heute“ hin und betonte, dass Humboldt für ihn ein Vorbild in vieler Hinsicht ist: „Neugier, Risiko, Wagnis, Offenheit, Stellung beziehen. An diesen von Humboldt gelebten Werten kann und sollte sich jede Forscherin und jeder Forscher, und nicht nur diese, ein Beispiel nehmen.“

Nach der Ansprache versammelten sich die Gäste am internationalen Buffet, das Köstlichkeiten aus den von Humboldt bereisten Ländern präsentierte. Die kulinarische Reise ging vom Berliner Sauerbraten zum französischen Coq au Vin und vom südamerikanischen Gemüse-Quinoa zu russischen Pelmini. So kosmopolitisch wie das Buffet waren auch die Gäste und deren Sprachen aus aller Welt. Im liebevoll arrangierten, eleganten Rahmen herrschte eine entspannte, ungezwungene Atmosphäre.

Der jährliche Neujahrsempfang bietet gerade den jungen Stipendiaten und Preisträgern der Stiftung eine gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Nachwuchswissenschaftler, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, begegnen arrivierten Mitgliedern des großen Humboldt-Netzwerks. Die Humboldtianer führten angeregte Gespräche und tauschten ihre Erfahrungen aus. Es wäre kein Wunder, wenn der Neujahrsempfang den Grundstein zu mancher Kooperation und zu spannenden neuen Projekten gelegt hätte.

 

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