Wenn Humboldt heute twittern würde

Er liebte prägnante Sätze und Pointen. Er bezog Stellung gegen Sklaverei, Kolonialismus und Umweltzerstörung. Wie würde sich Humboldt heute äußern? Seine Zitate in neuem Licht.

Fahrradfahrerin im Großstadtverkehr von Philadelphia, USA, aufgenommen im Dezember 2016.
Fahrradfahrerin im Großstadtverkehr von Philadelphia, USA, aufgenommen im Dezember 2016.
Foto: iStock / Peeter Viisimaa

„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden.“

Humboldt an Ludwig Bullmann, Cumaná (Venezuela), 13. Oktober 1799

Protest gegen geplante Fracking-Tests des britischen Energiekonzerns Cuadrilla in Balcombe, Vereinigtes Königreich, 2013.
Protest gegen geplante Fracking-Tests des britischen Energiekonzerns Cuadrilla in Balcombe, Vereinigtes Königreich, 2013.
Foto: iStock / rsokoloff

„Das Goldsuchen ist eine europäische Krankheit, welche an Raserei grenzt.“

Reisetagebuch, Aufenthalt in Honda (Kolumbien), 18.– 22. Juni 1801

Auf der Insel Idjwi, Teil der Demokratischen Republik Kongo, untersucht 2017 ein Mitarbeiter der NGO Ärzte ohne Grenzen ein an Cholera erkranktes Kind.
Auf der Insel Idjwi, Teil der Demokratischen Republik Kongo, untersucht 2017 ein Mitarbeiter der NGO Ärzte ohne Grenzen ein an Cholera erkranktes Kind.
Foto: Marta Soszynska / MSF

„Es ist nicht genug zu klagen, sondern man muss arbeiten, den Klagen abzuhelfen.“

Humboldt an Wilhelm Gabriel Wegener, Berlin, 3. Juni 1788

Kohlekraftwerk Brayton Point im US-Bundesstaat Massachusetts. 2017 wurde die Anlage abgeschaltet.
Kohlekraftwerk Brayton Point im US-Bundesstaat Massachusetts. 2017 wurde die Anlage abgeschaltet.
Foto: iStock / Fernando Podolski

„Das Klima der Kontinente [hängt ab von den Veränderungen], welche der Mensch [...] durch die Entwicklung großer Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie hervorbringt.“

„Central-Asien. Untersuchungen über die Gebirgsketten und die vergleichende Klimatologie“, 1844

Im brasilianischen São Paulo protestieren 2015 Mitglieder der indigenen Bevölkerung für den Erhalt ihres Territoriums.
Im brasilianischen São Paulo protestieren 2015 Mitglieder der indigenen Bevölkerung für den Erhalt ihres Territoriums.
Foto: Getty Images / Frank Grace

„Den Indios geht es wie den Afrikanern: Werden sie nicht gerade totgeschlagen, heißt es, es gehe ihnen gut.“

Reisetagebuch, Lima (Peru), 23. Oktober - 24. Dezember 1802

Der heutige US-Präsident Donald Trump wird in einer Limousine durch New York gefahren, aufgenommen im Dezember 1999.
Der heutige US-Präsident Donald Trump wird in einer Limousine durch New York gefahren, aufgenommen im Dezember 1999.
Foto: Jeffrey Salter / The New York Times / Reduxf / laif

„Wahrheit an sich ist kostbar, kostbarer aber noch die Fertigkeit, sie zu finden.“

An Georg Christoph Lichtenberg, Hamburg, 3. Oktober 1790

Am 30.01.2018 werden Migranten von SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen auf der MS Aquarius nach Augusta, Sizilien gebracht.
Am 30.01.2018 werden Migranten von SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen auf der MS Aquarius nach Augusta, Sizilien gebracht.
Foto: picture alliance / Laurin Schmid / SOS MEDITERRANEE

„Sich darüber zu streiten, welche Nation die Schwarzen mit mehr Humanität behandelt, heißt, sich über das Wort Humanität lustig zu machen und fragen, ob es angenehmer ist, sich den Bauch aufschlitzen zu lassen oder geschunden zu werden.“

Reisetagebuch, Guayaquil (Ecuador), 4. Januar–17. Februar 1803

Abflug / Ankunft - Anzeigetafel am Flughafen Frankfurt am Main
Abflug / Ankunft - Anzeigetafel am Flughafen Frankfurt am Main
Foto: picture alliance / Ulrich Baumgarten

„Der Augenblick, wo man zum ersten Mal von Europa scheidet, hat etwas Ergreifendes. Wenn man sich auch noch so bestimmt vergegenwärtigt, wie stark der Verkehr zwischen den beiden Welten ist, wie leicht man bei den großen Fortschritten der Schifffahrt über den Atlantik gelangt, der, verglichen mit dem Pazifik, ein nicht sehr breiter Meeresarm ist, das Gefühl, das man zum ersten Mal eine weite Reise antritt, hat immer etwas tief Bewegendes.“

Äquinoktial-Gegenden, 1814

Die Website des sozialen Netzwerks "Facebook"
Die Website des sozialen Netzwerks "Facebook"
Foto: Unsplash

„Ich hasse in den Tod die Menschen, die immer abmessen und abwiegen, ob es wohl zuträglich sei, diesen oder jenen ihrer Freundschaft zu würdigen.“

An Wilhelm Gabriel Wegener, Berlin, 24. Februar 1789

Besucher der Elektronikmesse CES in Las Vegas, Nevada, bestaunen die Lichttechnolgie OLED, aufgenommen im Januar 2018.
Besucher der Elektronikmesse CES in Las Vegas, Nevada, bestaunen die Lichttechnolgie OLED, aufgenommen im Januar 2018.
Foto: GettyImages / DAVID MCNEW

„Welche Farben der Vögel, der Fische, selbst der Krebse (himmelblau und gelb!). Wie die Narren laufen wir bis jetzt umher; in den ersten drei Tagen können wir nichts bestimmen, da man immer wieder einen Gegenstand wegwirft, um einen anderen zu ergreifen. Bonpland versichert, dass er von Sinnen kommen werde, wenn die Wunder nicht bald aufhören. Ich fühle es, dass ich hier glücklich sein werde und dass diese Eindrücke mich auch künftig noch erheitern werden.“

An Wilhelm von Humboldt, Cumasa (Venezuela), 16. Juli 1799

Kobalt-Mine im Kongo: Für einen Lohn von etwa drei US-Dollar täglich riskieren Arbeiter ihr Leben. Der Rohstoff wird unter anderem für die Herstellung von Smartphones benötigt.
Kobalt-Mine im Kongo: Für einen Lohn von etwa drei US-Dollar täglich riskieren Arbeiter ihr Leben. Der Rohstoff wird unter anderem für die Herstellung von Smartphones benötigt.
Foto: Getty Images / The Washington Post

„Je größer die Kolonien sind, je konsequenter die europäischen Regierungen in ihrer politischen Bosheit sind, umso stärker muss sich die Unmoral der Kolonien vermehren.“

Reisetagebuch, Guayaquil (Ecuador), 4. Januar - 17. Februar 1803

Los Angeles, Kalifornien: Am 1. Mai 2018 geraten während einer Demonstration von Latinos gegen die Abschottungspolitik Donald Trumps ein Protestteilnehmer und ein Migrationsgegner aneinander.
Los Angeles, Kalifornien: Am 1. Mai 2018 geraten während einer Demonstration von Latinos gegen die Abschottungspolitik Donald Trumps ein Protestteilnehmer und ein Migrationsgegner aneinander.
Foto: Getty Images / David McNew

„Das Glück des Weißen ist aufs Innigste mit der kupferfarbenen Rasse verbunden. Es wird in beiden Amerikas überhaupt kein dauerndes Glück geben, als bis diese, durch lange Unterdrückung zwar gedemütigte, aber nicht erniedrigste, Rasse alle Vorteile teilt, welche aus den Fortschritten der Zivilisation und der Vervollkommnung der gesellschaftlichen Ordnung hervorgehen.“

Neu-Spanien, Band 5, erstmals 1811 auf Französisch erschienen

Rote Telefonzelle und Tankstelle auf Marina Cay, Britische Jungferninseln.
Rote Telefonzelle und Tankstelle auf Marina Cay, Britische Jungferninseln.
Foto: istockphoto / cdwheatley

„Die Idee der Kolonie selbst ist eine unmoralische, diese Idee eines Landes, das einem anderen zu Abgaben verpflichtet ist, eines Landes, in dem man nur zu einem bestimmten Grad an Wohlstand gelangen soll, in welchem der Gewerbefleiß, die Aufklärung sich nur zu einem bestimmten Punkt ausbreiten dürfen.“

Reisetagebuch, Guayaquil (Ecuador), 4. Januar–17. Februar 1803

Im Tesso Nilo National Park auf der indonesischen Insel Sumatra werden geschützte Waldflächen lllegal für Palmöl-Plantagen gerodet.
Im Tesso Nilo National Park auf der indonesischen Insel Sumatra werden geschützte Waldflächen lllegal für Palmöl-Plantagen gerodet.
Foto: istockphoto / Clarbondioxide

„Fällt man die Bäume, welche Gipfel und Abhänge der Gebirge bedecken, so schafft man in allen Klimazonen kommenden Geschlechtern ein zweifaches Ungemach: Mangel an Brennholz und Wasser. Die Bäume sind vermöge des Wesens ihrer Transpiration und der Ausstrahlung ihrer Blätter gegen einen wolkenlosen Himmel fortwährend mit einer kühlen, dunstigen Lufthülle umgeben; …“

Äquinoktial-Gegenden, 1820

24. Oktober 2018: Papst Franziskus während seiner wöchentliche Generalaudienz auf dem St. Peters-Platz im Vatikan
24. Oktober 2018: Papst Franziskus während seiner wöchentliche Generalaudienz auf dem St. Peters-Platz im Vatikan
Foto: picture alliance / Pacific Press

„Es ist schwierig für einen Europäer, in diesen Breiten ein anständiger Mensch zu bleiben, wo die Straflosigkeit bis in den Klerus hinein herrscht, dass ich Gott täglich bitte, mich nicht hier sterben zu lassen, denn ohne Zweifel werde ich verdammt sein.“

Reisetagebuch, Guayaquil (Ecuador), 4. Januar–17. Februar 1803

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